S i t u a t i o n s d a r s t e l l u n g
Fallzahlen rückläufig
Vor 25 Jahren wurden den dt. Autoversicherern insgesamt noch ca. 60.000 / Jahr Fahrzeugbrände gemeldet, im Jahr 2.000 waren es lt. Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) noch knapp 20.000. Die Ursachen hierfür sind einerseits systembedingt (Umstellung der Gemischaufbereitung von Vergaser- zu Einspritzanlagen mit verbesserter Auslegung der Kraftstoffleitungen), andererseits wird die Industrie durch Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben zu einem verbesserten konstruktiven Brandschutz gezwungen (Beispiele: Dichtigkeitsprüfung der Kraftstoffleitungen, Innenraummaterialien; Feuertest Kunststofftanks)
Ursachen
Auslöser für Fahrzeugbrände sind heute meist technische Defekte: Durchgebrannte Katalysatoren durch fehlerhafte Zündanlagen; schadhafte elektrische Anlagen (Kurzschluss durch blankgescheuerte Kabel; Einsetzen zu starker oder gar Überbrücken von Sicherungen; mangelhafter Einbau von Zusatzgeräten wie Leuchten und Musikanlagen); undichte Ölleitungen oder beschädigte Dämmmatten werden durch heißen Abgaskrümmer/Abgasturbolader entzündet.
Diese Brandgefahren sind vielfach auf Wartungsmängel zurückzuführen und somit vermeidbar. Die Statistik spricht hier eine deutliche Sprache: 2/3 aller Fahrzeugbrände entstanden an Fahrzeugen, die älter als 6 Jahre waren (Quelle: Allianz Versicherung).
Gefahren
Die aus Filmen bekannten spektakulären Bilder explodierender Fahrzeuge entstehen nur durch viel Brandbeschleuniger und Sprengstoff. Sie gehören in Hollywoods Märchenwelt, nicht jedoch in der Realität. Dennoch haben sie sich fest in die Köpfe der Menschen eingeprägt, mit der Folge, dass sich kaum jemand noch an ein brennendes Fahrzeug herantraut, um die Insassen zu retten. Hierzu muss betont werden: Brennende Autos explodieren nicht! Nach geraumer Zeit kann höchstens der Tankinhalt - zumeist aus dem Bereich des Tankstutzens stichflammenartig verpuffen. Das Knallen kommt ggf. von zerplatzenden Reifen und ist - zumindest bei PKW Größen - weitgehend ungefährlich.
Auch steht ein Auto - sofern nicht unfallbedingt der ganze Tank völlig zerrissen wird - nicht sofort in Flammen. Das Feuer entsteht regelmäßig, ob nach einem Unfall oder während der Fahrt, im Motorraum und breitet sich langsam aus; gerade bei Bränden mit technischer Ursache ist eine Blitzausbreitung auszuschließen. Wie bei den meisten Schadensfeuern, so geht auch bei Fahrzeugbränden die Hauptgefahr nicht von der Hitze, sondern von den toxischen Gasen aus, die in den Innenraum gelangen.
Handlungshinweise
Vorbeugen:
- Gefahrenquellen durch regelmäßige Wartung minimieren
- Feuerlöscher mitführen
- Fahrzeuge im Sommer nie auf Wiesen und Waldböden abstellen: Die Strahlungshitze des heißen Katalysators kann die trockenen Pflanzenreste entzünden!
Brandfall:
Wenn´s qualmt - nicht in Panik geraten, es bleibt genügend Zeit !
- Sofort Lüftung abschalten, um ein Eindringen der Brandgase zu verhindern
- Warnblinkanlage an und Fahrzeug sicher am Fahrbahnrand abstellen
- Motorhaube entriegeln; Feuerlöscher mitnehmen
- Alle Insassen raus aus dem Fahrzeug!
- Beim Verlassen des Fahrzeuges auf den fließenden Verkehr achten
- Ein Entstehungsbrand ist regelmäßig mit Bordmitteln noch zu ersticken: Mit kurzen Löschstößen durch die nur einen Spalt geöffnete Motorhaube das Feuer bekämpfen. Erst dann vorsichtig die Motorhaube öffnen: Diese ist nicht nur heiß, sondern der einströmende Sauerstoff kann ggf. den Brand richtig entfachen!
- Brandreste ablöschen
- Nach Ablöschen weiter beobachten: Es besteht die Gefahr von Rückzündungen.
Tipps:
- Manchmal reicht der kleine Autofeuerlöscher nicht aus (Faustformel: 1 KG Löschpulver = 1 Sek. Löschdauer) LKW oder Busse haben größere Feuerlöscher verpflichtend an Bord, diese ggf. vorsichtig anhalten.
- Die Feuerwehr hilft schnell und kompetent. Deshalb in jedem Fall alarmieren. Die Notrufnummer 112 ist in Deutschland ohne Vorwahl auch vom Handy aus kostenfrei und ohne SIM Karte erreichbar. Dies ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit von Erstmaßnahmen!
Auch bei diesem völlig ausgebrannten Fahrzeug konnten 9 Schüler und der Busfahrer das Fahrzeug unverletzt verlassen. Für den Omnibus kam jedoch jede Hilfe zu spät. (L474 bei Hermersberg, am 07.07.2006)
(PHK Markus Steinmetz, Verkehrsexperte beim Polizeipräsidium Westpfalz)
| Autor | Markus Steinmetz /Arno Heeling | |
| Herausgeber | PP Westpfalz, Pressestelle | |
| Aktualisierungsdatum | 24.07.06 |



