Trier, Gemeinsam gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen - Stadt Trier und Polizeipräsidium laden ein

In den eigenen vier Wänden, im vermeintlichen Schutzraum von Ehe, Familie und Partnerschaft ist leider auch die Gewalt zu Hause.
In den allermeisten Fällen geht die Gewalt von Männern aus. Männer versuchen damit, Kontrolle auszuüben und die Macht des Stärkeren mit allen Mitteln durchzusetzen. Betroffen sind Frauen jeden Alters, sozialer Schicht, Bildungsstand, Einkommen, Nationalität und ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit.
Gewalt in engen sozialen Beziehungen wurde lange Zeit als Privatangelegenheit betrachtet. Aber das ist sie nicht. Diese Gewalt geht alle an. Seit 1999 gibt es das rheinland-pfälzische Interventionsprojekt gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen (RIGG). Hier arbeiten staatliche und nichtstaatliche Institutionen eng zusammen und bieten durch ein vernetztes Vorgehen betroffenen Frauen und ihren Kindern Hilfe an und tragen mit dazu bei, dass die Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden.
Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet die Polizei mit dem 2004 vorgestellten Konzept Wer schlägt, muss gehen. Opfer von Beziehungsgewalt erfahren im Rahmen dieses Konzeptes von der Polizei direkt ein umfassendes und wirksames Hilfsangebot von der ersten Intervention bis zur Erlangung gerichtlichen Schutzes. Die gemeinsame Veranstaltung am 11. April will darauf aufmerksam machen, dass Gewaltprävention in privaten und intimen Lebensbereichen der Familien nach wie vor bitter notwendig ist und dass diese Präventionsarbeit eine öffentliche Aufgabe ist - eine, die alle angeht.
- Zahlen aus der Region
Einzelne spektakuläre Fälle rütteln immer wieder auf, machen bundesweit Schlagzeilen, scheinen aber oftmals weit weg.
Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) belegen allerdings, dass Gewalt in engen sozialen Beziehungen auch hier, auch bei uns, in der unmittelbaren Nachbarschaft stattfindet.
Zur Aufhellung des Phänomens werden in Rheinland-Pfalz seit 2003 Straftaten in Zusammenhang mit Gewalt in engen sozialen Beziehungen in der PKS gesondert erfasst. Die Zahlen haben sich seit der erstmaligen Erhebung nicht wesentlich verändert. Sie schwankten während der letzten fünf Jahre in unserem Bereich zwischen 884Fällen oder 2,1 Prozent des Gesamtstraftatenaufkommens und 1.083 Fällen oder 2,7 Prozent des Gesamtstraftatenaufkommens.
Im Jahr 2007 waren im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Trier von insgesamt x erfassten Straftaten 998 Fälle, bei denen es sich um GesB handelte. Das entspricht einem Anteil von 2,6 Prozent.
Die Deliktpalette, die dem Phänomen zugrunde liegt, reicht von den Straftaten gegen das Leben (3) und die sexuelle Selbstbestimmung (31), über Körperverletzungen (571), Freiheitsberaubungen (159) und Nötigung (25) bis hin zu Diebstahl (26) und Beleidigung (64).
- Gewalt ist männlich
Zu den 998 erfassten Fällen wurden 2007 von der Polizei 855 Tatverdächtige ermittelt. 685 waren männlich und 170 weiblich. Bezüglich der Opfer bzw. Geschädigten sieht die Situation umgekehrt aus. 803 Mal waren sie weiblich und in 198 Fällen männlichen Geschlechts.
Eine Differenzierung nach der Altersstruktur ist hier nicht möglich. Fest steht jedoch, dass in vielen der Fälle Kinder von GesB betroffen sind.
- Veranstaltungsprogramm
Die gemeinsame Aktion der Stadt Trier und des Polizeipräsidiums Trier wird am Freitag, 11. April 2008, um 9.30 Uhr von Oberbürgermeister Klaus Jensen und Polizeipräsident Dr. Manfred Bitter eröffnet.
Bis zum Nachmittag sind sechs 30-minütige Fachvorträge vorgesehen:
Jürgen Schmitt, Polizeipräsidium Trier: Fallstudien und statistische Daten, polizeiliche Interventionsmöglichkeiten; Kinder im Fokus des Gewaltprozesses
Astrid Pößiger, Interventionsstelle Trier: Aufgaben der Interventionsstelle
Agnes Gräser, Frauenhaus Trier: Ambivalenzen gewaltbetroffener Frauen gegenüber dem gewaltausübenden Partner - Psychologische Aspekte aus Theorie und Praxis
Michael Charles, Pro Familia: Täterarbeit als Beitrag zum Opferschutz
Dorothee Wassermann, Jugendamt Trier Kinder in Gewaltfamilien
Ute Theis, Regionaler Runder Tisch Trier: Beziehungsgewalt als öffentliche Herausforderung
In der Mittagspause, die Raum für Diskussionen bietet, präsentieren sich Hilfseinrichtungen als Netzwerk gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen.
Beendet wird die Veranstaltung gegen 15 Uhr mit einer Podiumsdiskussion aller Referenten moderiert von Ingrid Sauer (Frauenhaus Trier) und Beate Stoff (Regionaler Runder Tisch Eifel).
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung in der Aula der Katholischen Akademie Trier, Auf der Jüngt 1, 54293 Trier, teilzunehmen.
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Bei Nachfragen zur Veranstaltung wenden Sie sich bitte an:
Kriminalhauptkommissar Jakob Nilles, Polizeipräsidium Trier Telefon 0651 / 9779-1126
Polizeipräsidium Trier
Salvianstraße 9
54290 Trier
Telefon: 0651/9779-0


