
Das Projekt Verkehrsunterricht statt Sozialstunden fand seinen Ursprung im Jahre 2004. Verzeichnete die Polizei Worms damals doch insgesamt 140 Strafverfahren wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis, die überwiegend durch Jugendliche begangen wurden. Die Mehrzahl davon führte fahrerlaubnispflichtige Zweiräder im öffentlichen Straßenverkehr, obwohl sie nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis hierfür waren.
Die Fahrerlaubnispflichtigkeit ergab sich fast ausnahmslos durch das Frisieren der Mofas, und hier insbesondere von Rollern. Demzufolge verzeichnete die Jugendgerichtshilfe Worms im Jahr 2004 insgesamt 104 Jugendliche, die in diesem Deliktsbereich erstmals in Erscheinung getreten sind.
Zahlen die damals für sich sprachen und einen gewissen Handlungsbedarf begründeten. Noch mehr zum Nachdenken regte jedoch die Tatsache an, dass bei den Kontrollen verstärkt festzustellen war, dass diese jugendlichen Bastler zum Teil gar nicht die Tragweite und mögliche Konsequenzen ihres Handelns abschätzen können.
Eine Feststellung die auch die Jugendgerichtshilfe Worms bestätigen konnte. Auch hier wurde und wird bei der Arbeit mit den jungen Bastlern häufig eine gedankenlose Unklarheit hinsichtlich möglicher Folgen festgestellt.
Genau hier sollte das Wormser Projekt Verkehrsunterricht statt Sozialstunden ansetzen. In Zusammenarbeit zwischen der Jugendgerichtshilfe der Stadt Worms, der Polizei Worms, sowie der Staatsanwaltschaft Mainz und dem Amtsgericht Worms, wurde ein verkehrserzieherisches Instrument geschaffen, mit dem jugendliche Menschen auf ihrem Weg in die mobile Eigenständigkeit sinnvoll begleitet werden können.
Mit dem Projekt sollen die Jugendlichen dort abgeholt werden, wo sie sich falsch verhalten haben. So sind die Themen Mobilität und Teilnahme am Straßenverkehr zentraler Mittelpunkt des Verkehrsunterrichts. Aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln werden Risiken und Gefahren des Straßenverkehrs beleuchtet, die speziell aus den aufgetretenen Fehlverhaltensweisen resultieren und es werden den jugendlichen Bastlern die möglichen Folgen und Konsequenzen ihres Fehlverhaltens deutlich aufgezeigt. Durch enge Verknüpfung der Inhalte des Verkehrsunterrichts mit dem verkehrsrechtlichen Fehlverhalten der Jugendlichen soll neben der Einsicht, dass sie mit ihren frisierten Mofas gegen Gesetze verstoßen, auch das Verständnis für die daraus resultierenden Gefahren für sich und andere Verkehrsteilnehmer vermittelt und gefördert werden. Daher werden die Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln durch Referenten der Staatsanwaltschaft Mainz, der Jugendgerichtshilfe Worms, Fachleuten des Versicherungswesens, der Rechtsmedizin sowie der DEKRA dargestellt.
Zwischenzeitlich fanden bis Juni 2010 nunmehr 15 Veranstaltungen statt. Es wurden bisher von 267 geladenen Jugendlichen 219 (82%) beschult, die letztendlich alle den abschließenden schriftlichen Test am Ende bestanden haben.
Da sich bei der Jugendgerichtshilfe und auch bei der Polizei schon früh abzeichnete, dass dort nur ein sehr geringer Anteil von Wiederholungstätern (ca. 2-3 Prozent) erneut auffällig wurde, erfolgte der Beschluss, sich mit dem Projekt für die Verleihung des Verkehrssicherheitspreises des Landes Rheinland-Pfalz zu bewerben. Dies war letztendlich von Erfolg gekrönt, so dass im Rahmen einer Feierstunde im Februar 2008 durch den Ministerpräsidenten des Landes, Herrn Beck dieser Preis für das Jahr 2007 verliehen wurde.
Alexander Kolb
| Autor | PK Hans-Jürgen Resch/POK'in Christine Dahlheimer | |
| Herausgeber | PP Mainz - Pressestelle | |
| Aktualisierungsdatum | 16.06.2010 wei. |

