Verschiedene Tätergruppen haben sich darauf spezialisiert, altersbedingte Opfer-Dispositionen von Teilen der Bevölkerung auszunutzen. Vorrangig mit Betrügereien verschaffen sich derartige Tätergruppen, die in der Regel überregional agieren, kriminelle Gewinne.
Seit dem Jahr 2000 ist bundesweit ein jährlicher Anstieg an Fallzahlen sowie eine Steigerung in der Schadensumme zu verzeichnen.
Die häufigsten Tricks:
- Der hilfsbereite Mensch, der die Tasche trägt und dann zur Toilette will oder um ein Glas Wasser bittet.
- Der Handwerker, der in der Wohnung etwas kontrollieren muss.
- Ein Polizist oder ein Behördenmitarbeiter, der Sie bittet, etwas nachzuschauen zum Beispiel, ob Sie bestohlen wurden.
- Ein Bankangestellter, der Sie zu Hause aufsucht und zum Beispiel Ihr Geld auf Falschgeld kontrollieren oder gegen andere Scheine umtauschen will.
- Personen, die Geschenke, Blumen oder Post für Nachbarn abgeben und Papier, ein Stift für eine Nachricht benötigen
- Schwangere oder Kranke, die um ein Glas Wasser bitten.
- Der fliegende Händler, der ein günstiges Angebot unterbreiten will.
Der Enkeltrick:
Beim "Enkeltrick" agieren die Tätergruppierungen i.d.R. bundesweit gemeinschaftlich und in arbeitsteiliger Vorgehensweise. Die Täter berufen sich in einem Telefongespräch gegenüber meist älteren Menschen auf ein Verwandtschaftsverhältnis (z.B. Enkel oder Neffe) oder auf eine frühere Bekanntschaft und täuschen, unter dramatischer Schilderung falscher Lebenssachverhalte vor, kurzfristig Geld oder andere finanzielle Mittel/ Vermögenswerte für ein bestimmtes Geschäft oder eine finanzielle Notlage (z.B. Krank-heit) zu benötigen. Das Vermögen des Opfers wird grundsätzlich an einen Abholer oder in Einzelfällen auf ausländische Bankkonten verfügt.
Vorgehensweise:
Ein Beispiel eines Telefonates aus den letzten Tagen:
Bei der Seniorin klingelt das Telefon: "Hallo, Oma, ich bin es!" oder "Rate mal wer dran ist?"
Antwort der Seniorin: "Thomas, bist Du das?" Anrufer: "Ja, ich bins!"
Danach wird von dem vorgeblichen Enkel oder Neffen eine sehr dringende finanzielle Notlage geschildert oder ein lohnendes Geschäft, für das man sehr schnell eine große Summe braucht natürlich in bar! Nach dem Appell an die Hilfsbereitschaft des Opfers begibt dieses sich zumeist schnurstracks zur Bank und hebt vier- oder gar fünfstellige Beträge ab.
Mit der Seniorin wurde vom Anrufer im Telefonat vereinbart, dass ein Beauftragter geschickt wird, der das Geld abholen soll. Damit alles korrekt verläuft, wird ein Kennwort vereinbart, welches der Beauftragte nennen wird. Dieser Beauftragte kommt, nennt das Kennwort, erhält das Bargeld und geht.
Das sollten Sie tun:
- Ruhe bewahren und sich nicht zu unüberlegten (Kurzschluss-)Handlungen verleiten lassen
- Machen Sie keine Angaben zu persönlichen Lebensverhältnissen
- Niemals Bankkonto und Geheimzahl nennen
- Rufen Sie selbst Ihren Verwandten oder Angehörigen unter der sonst üblichen Telefonnummer an
- Nehmen Sie im Zweifelsfall Kontakt mit anderen Angehörigen auf, auch und gerade dann, wenn der "Enkel / Neffe" hiervon dringend abrät!
- Geben Sie niemals fremden Personen Bargeld
- Informieren Sie sofort ihre Polizei, wählen Sie den Notruf 110
- Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Bank / Ihrem Geldinstitut auf
Weitere Tipps zum Schutz vor Trickdieben:
- Lassen Sie keinen Fremden in Ihre Wohnung
- Lassen Sie sich nicht durch Dringlichkeit überrumpeln
- Lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen, rufen Sie die zuständige Stelle an
- Überprüfen Sie angekündigte Besuche von Unbekannten (z.B. Mitarbeiter einer Telefongesellschaft, Elektrizitätswerk etc.)
- Lassen Sie nur Handwerker ein, die Sie selbst bestellt haben oder die von der Hausverwaltung
angekündigt wurden - Schließen Sie die Haustür, auch wenn Sie nur kurz etwas erledigen
- Bewahren Sie keine größeren Geldbeträge oder wertvollen Schmuck zu Hause auf
- Öffnen Sie Ihre Haustür niemals ohne vorgelegten Sperrbügel oder Sperrkette
- Sichern Sie Ihre Haustür
Das macht die Polizei:
Um die Täter zu ermitteln, ist die Polizei darauf angewiesen, dass erfolgreiche, aber auch fehlgeschlagene Betrügereien sofort gemeldet werden.
Viel zu oft bleiben die Diebe ungeschoren. Sie profitieren davon, dass sich ältere Menschen häufig scheuen, die Polizei einzuschalten weil sie sich schämen, wenn sie bestohlen wurden, oder weil sie die Beamten nicht mit einem vagen Verdacht belästigen wollen.
Die Polizei kommt zu Ihnen, schnell und unauffällig und hilft Ihnen kostenlos.
Die Polizei rückt lieber einmal zu viel als einmal zu wenig aus
Weiterführende Informationen:
| Polizei Rheinland-Pfalz Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen: Adressliste der Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz Dienststellensuche Durch Eingabe Ihrer Wohnanschrift in Rheinland-Pfalz bringen Sie in Erfahrung, welche Polizeidienststelle örtlich zuständig ist. Enkeltrick-Betrügerei Ergänzende Informationen |
|
|
Polizei-Beratung |
Hier gelangen Sie zu den Informationsseiten Trickdiebstahl in Wohnungen |
| Weißer Ring Hilfestellung können Sie als Opfer auch über die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer erhalten. Sie finden Sie hier u. a. örtliche Ansprechpartner. |
Weißer Ring e.V. |
Informationen zum Thema "Kriminalität zum Nachteil älterer Menschen" in Gebärdensprache
| Player | ||
|---|---|---|
| anzeigen | 13.21 MB | |
| anzeigen | 14.77 MB | |
| anzeigen | 21.09 MB |
| Autor | Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, Dezernat 45 | |
| Herausgeber | Koordinierungsstelle Intrapol | |
| Aktualisierungsdatum | 19.03.2007 |

