Es ist ein kalter, nebliger Novembermorgen, gegen 08.04 Uhr. Sie haben das Radio eingeschaltet und hören den Verkehrsfunk:
"Und zum Schluss noch eine Meldung der Wasserschutzpolizei: Auf dem Rhein bei Braubach, am Stromkilometer 579, hat sich ein Tankschiff festgefahren. Die Schifffahrt wird gebeten, den Havaristen mit langsamer Fahrstufe und mit möglichst weitem Abstand zu passieren. Das waren die SWR3-Verkehrsnachrichten um acht." Damit diese Meldung übers Radio kommen kann, müssen wir schon am Ort des Geschehens sein. Was hat sich im Vorfeld der Radio-Meldung zugetragen?
5.35 Uhr
Das Tankmotorschiff "Franz Peter 5" läuft oberhalb des Braubacher Grundes bei dichtem Nebel auf Grund und schlägt Leck; Heizöl läuft aus. Sofort alarmiert der Kapitän die nächstgelegene Wasserschutzpolizeistation in Koblenz. Der wachhabenden Beamte fragt nach Details: "Gibt es Verletze? Blockiert das Fahrzeug das Fahrwasser? Wie schwer ist es beschädigt? Droht Sinkgefahr?" Dann gibt er die Meldung an die Besatzung des stromabwärts auf Patrouille befindlichen Dienstbootes, der "WSP 10", weiter.
"WSP 10" ändert seinen Kurs und läuft bergwärts nach Braubach. Normalerweise würde sie jetzt volle Fahrt voraus machen, aber die Sichtverhältnisse sind zu schlecht. Jetzt sind Radargerät und Echolot die Augen des Bootsführer. Derweil versucht der andere Beamte, eine Funkverbindung zum Havaristen herzustellen.
6.15 Uhr
Nach etwa 40 Minuten Fahrt erscheint das auf Grund gelaufene Schiff auf dem Radarschirm. Deutlich unterscheidet es sich von den Brücken, die als Querstriche auf dem Radar sichtbar sind. Hier wimmelt es von Sandbänken und Untiefen, aber zum Glück kennt die Besatzung des Dienstbootes diese Gewässer sehr genau.
Kurz darauf erreicht das Dienstboot die Unfallstelle. Die Maschinen werden gedrosselt, das Boot dreht langsam bei. Jetzt bloß nicht das Echolot aus den Augen lassen. Es zeigt kaum noch Wasser unter dem Kiel, als das Dienstboot an dem Tanker festgemacht hat.
Die beiden Wasserschutzpolizisten inspizieren als erstes das leckgeschlagene Schiff: Wo ist das Leck? Wieviel Öl tritt aus? Dann befragt einer die Mannschaft des Tankschiffes über den Unfallhergang, während der andere über Funk die Dienststelle in Kenntnis setzt und die vorbeifahrende Schifffahrt warnt.
Unterdessen beginnt in der Dienststelle reges Treiben: Der Wachhabende alarmiert die Feuerwehr und informiert die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie den Verkehrswarndienst der Polizei. Der wiederum gibt die Unfallmeldung an die Funkhäuser von SWF, HR und SR weiter. Wegen des ausgelaufenen Öls wird auch die Landeszentrale für den Wasserwarndienst unterrichtet, damit Trinkwasserversorgungsunternehmen, Kraftwerke und andere Wasserentnehmer gewarnt werden können.
7.10 Uhr
Der Nebel lichtet sich, es dämmert. Endlich wird die Unfallstelle erkennbar. 100 m unterhalb der Kilometertafel 579, genau gegenüber der Hundertmetermarke, sitzt die "Franz Peter 5", etwas quer zum Fahrwasserrand, mit dem Vorschiff auf. Die Mannschaft des Tankers hat inzwischen damit begonnen, die Ladung in andere Laderäume umzupumpen, um weiteres Austreten der Ladung zu verhindern.
kurz vor 10 Uhr
Durch das Umpumpen der Ladung hat die "Franz Peter 5" wieder Wasser unter das Vorschiff bekommen. Sie kann ihre Fahrt zum nächsten Hafen fortsetzen, um dort die Ladung zu löschen und die nötigen Reparaturen am Rumpf durchzuführen. Das Dienstboot nimmt Kurs auf den Heimathafen. Der Bootsführer meldet an die Dienststelle "Einsatz beendet". Von dort aus wird die Entwarnung an den Verkehrswarndienst weitergegeben.
10.06 Uhr
Der SWR3-Verkehrdienst meldet:
Die Behinderung auf dem Rhein bei Braubach, am Stromkilometer 579, ist behoben. Das Fahrwasser ist wieder frei.
| Autor | WSPA Mainz | |
| Herausgeber | WSPA Mainz | |
| Aktualisierungsdatum | 20130122/müg |

