Wie hat sich die Fortbildungsreihe für Erzieherinnen 2008 auf die Arbeit der Teilnehmerinnen ausgewirkt ? Um eine Bilanz zu ziehen, hatten Diakonisches Werk und das Zentrum Polizeiliche Prävention die Erzieherinnen im August 2011 in die Diakonie Kaiserslautern eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christa Barz (Diakonisches Werk) und Polizeioberkommissar Volker Lehner (ZPP). .
Die Fortbildungsreihe im Jahr 2008 hatte das Problem Gewalt in engen sozialen Beziehungen und ihre Auswirkungen auf Kinder aus der Sicht der Polizei, der Justiz, der Medizin, des Jugendamts, der Beratungsstellen, der Interventionsstelle sowie der Beratungsstelle Contra Häusliche Gewalt beleuchtet. 30 Erzieherinnen hatten teilgenommen. Sechs Erzieherinnen berichteten nun, was sich seit 2008 in der Praxis für sie geändert hat:
- Die Mitarbeiter in den Kindertagesstätten seien nun besser in der Lage, Auffälligkeiten und Signale von Kindern zu interpretieren. Seit der Fortbildung nähmen sie häufiger direkten Kontakt mit den Eltern auf und könnten qualifizierter Hinweise geben und Hilfe anbieten.
- Bei der Meldung von Fällen sei es ihnen nun möglich, sachlich und rechtlich besser zu begründen als zuvor und systematischer zu argumentieren.
- Die Jugendämter nähmen sie ihrem Eindruck zu Folge inzwischen ernster, wenn sie Fälle von Kindeswohl-Gefährdungen melden. Die Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Jugendamt sei offener geworden. Im Allgemeinen sei die Zusammenarbeit gut, in manchen Fällen komme es aber auf den Sachbearbeiter an.
- Die Einführung von Fallverantwortlichen beim Jugendamt wäre sinnvoll. Diese Personen könnten den Gang der Bearbeitung kontrollieren und nachhaken, wenn sie sich in die Länge zieht.
- Gemeinsame Gespräche zwischen Eltern, KITA und Beratungsstelle seien im Einzelfall hilfreich.
Auch an internen Abläufen hat sich manches geändert:
- Wenn Kinder sich auffällig verhalten, besprechen die Erzieherinnen inzwischen ihre Beobachtungen im Team und führen Protokoll. Eindrücke können schneller zusammengetragen werden.
- Mit Eltern reden immer zwei Erzieherinnen. Jedes Gespräch wird im Protokoll festgehalten. Die Eltern zeichnen die Gesprächsprotokolle gegen.
- Der fachliche Austausch zwischen den Erzieherinnen entlastet die Mitarbeiterinnen. Jede einzelne profitiert von Erfahrungen aller.
- Wichtig ist, dass die Erzieherinnen den Eltern Wertschätzung entgegenbringen. Die Erzieherinnen gehen mehr auf die Eltern ein und haben so größere Chancen, dass Hilfe angenommen wird.
Zur Frage der Risikoeinschätzung gab es folgende Stimmen:
- Die Erzieherinnen sehen durch ihre Erfahrungen die statistischen Zahlen bestätigt (Gewalt in jeder 3 4 Partnerschaft).
- Gewalt pflanzt sich oft von Generation zu Generation fort, weil Verhaltensmuster der Alten von den Jüngeren übernommen werden.
- Gewaltbereite Männer sind eine Gefahr auch für die Kinder. Häufig versuchen Kinder ihre Mutter zu unterstützen und werden dann mitverprügelt.
- Nicht nur Gewalt der Täter, sondern auch deren Alkohol-/Drogensucht sowie psychische Krankheiten führen zu Gefährdung der Kinder .
- Das Leiden der Erwachsenen spiegelt sich in der Haltung der Kinder wieder.
- Dokumentation ist aufwändig aber wichtig.
- Wenn Gespräche mit problematischen Eltern zu nichts führen, muss der nächste Schritt erfolgen: je nach Lage entweder Beratungsstelle, Jugendamt oder Polizei.
Eine der Erzieherinnen stellte einen Bogen zur Erleichterung der Einschätzung von Kindeswohlgefährdung vor. Er könnte noch ergänzt werden um Fragen zur Kooperationsbereitschaft, bzw. der Fähigkeit zur Kooperation der Eltern. In diesem Zusammenhang sind Zielvereinbarungen wichtig.
Die Erzieherinnen sind übereinstimmend der Meinung, dass die Fortbildungsreihe sehr sinnvoll war und wiederholt werden sollte.
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| Autor | Fischer | |
| Herausgeber | Zentrum Polizeiliche Prävention | |
| Aktualisierungsdatum | 6.9.2011 |

