
Darüber hinaus hat sie eine kriminaltechnische Servicestelle eingerichtet, die gewährleistet, dass die kriminaltechnischen Auswertungsverfahren effektiv und zeitnah in die Ermittlungsverfahren eingebunden werden. Sie stellt zugleich die Schnittstelle der Abteilung zu den Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften dar und ist auch außerhalb der normalen Dienstzeiten jederzeit erreichbar.
Mit dem Einsatz modernster, dem jeweils neuesten Stand der Technik entsprechenden Untersuchungsverfahren überführen die Sachverständigen Straftäter aus allen Deliktsbereichen. Seit 1993 können im Dezernat Daktyloskopie mit dem Automatischen-Fingerabdruck-Identifizierungs-System (AFIS) am Tatort gesicherte Spuren in kürzester Zeit mit etwa 30 Millionen beim Bundeskriminalamt gespeicherten Fingerabdrücken von Straftätern aus dem gesamten Bundesgebiet abgeglichen werden. Die Fahndung nach flüchtigen Tatverdächtigen wird durch den Einsatz des computergestützten Facette-Verfahrens zur Phantombilderstellung ebenfalls mit großem Erfolg unterstützt.
Im Dezernat Biologie werden u.a. Blut-, Sekret-, Haar- und Textilspuren mit modernsten naturwissenschaftlichen und technischen Untersuchungsverfahren ausgewertet, um anhand aussagekräftiger Ergebnisse zur Aufklärung von Straftaten beizutragen oder die Ermittlungsarbeit direkt zu unterstützen.
Insbesondere mit der Einführung der DNA-Analytik (genetischer Fingerabdruck) wurden herausragende Fortschritte bei der Aufklärung von Straftaten erzielt. Mit der PCR-Technik können mit bloßem Auge kaum erkennbare und sogar durch Umwelteinflüsse bereits beeinträchtigte Blut- und Sekretspuren auch Monate nach der Tat den betreffenden Personen noch eindeutig zugeordnet werden.
Durch den Einsatz automatischer DNA-Analysegeräte (DNA-Sequenzer) gelingt es, Morde, Vergewaltigungen oder Eigentumsdelikte in wenigen Tagen durch DNA-analytische Spurenauswertung aufzuklären.
1996 richtete Rheinland-Pfalz als erstes und einziges Bundesland eine DNA-Landes-Datenbank ein, deren Erfolge bei der Aufklärung von Serienstraftaten 1998 zur Einrichtung der deutschen DNA-Analyse-Datei beim Bundeskriminalamt führten. Seit Bestehen dieser Datei konnten mit ihrer Hilfe mehr als 6500 Straftaten aufgeklärt werden.
Obwohl die DNA-analytischen Methoden auch bei der Auswertung von Haarspuren mittlerweile weitgehend im Vordergrund stehen, spielen die vergleichenden mikroskopischen Untersuchungen von Human- und Tierhaaren weiterhin eine bedeutende Rolle. Durch die Auswertung von Textilspuren lassen sich Kontakte zwischen Personen und Tatabläufe auch dann rekonstruieren, wenn am Tatort keine DNA-analytisch auswertbaren Spuren gefunden werden konnten.
Bearbeitungsschwerpunkte des Dezernates Chemie sind die Forensische Toxikologie (Betäubungsmittel, Rauschgifte), Brandursachenforschung sowie die Analyse von Material- und Schusswaffenspuren (Gun shot residues). Bei den ca. 9000 jährlichen Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz spielt die Feststellung des Wirkstoffgehaltes für die juristische Fragestellung der sogenannten nicht geringen Menge Betäubungsmittel eine entscheidende Rolle.
Bei den Materialspuren handelt es sich u.a. um Lackvergleichsuntersuchungen, wodurch der Sachbeweis für Verkehrsunfallflucht, Diebstahl oder Sachbeschädigung erbracht werden kann.
Unterschriften, Textschriften und Urkunden jeglicher Art werden von den Experten im Dezernat Urkunden und Handschriften untersucht. Handschriften werden mit den Methoden der Handschriftenanalyse, Urkunden mit Hilfe spezieller optisch-physikalischer und analytischer Verfahren auf ihre Echtheit hin geprüft, Fälschungen und Fälscher werden identifiziert, und das Alter von Schreibmitteln und Papier wird bestimmt.
Mit der Auswertung der von Einbrechern am Tatort verursachten Aufbruchspuren gelingt es den Sachverständigen des Dezernates Werkzeug-/Formspuren die benutzten Einbruchswerkzeuge aber auch die von den Tatverdächtigen bei der Tat getragenen Schuhe sicher zu identifizieren. Spurenzusammenhänge verschiedener Tatorte werden durch Sammlungsauswertungen zusammengeführt. Auch vermeintlich spurenlose zerstörungsfreie Einbruchsmethoden hinterlassen Spuren, die von den Fachleuten unter dem Mikroskop eindeutig nachgewiesen werden können. Bruchteile von Gegenständen, die z.B. bei Verkehrsunfällen am Unfallort zurück bleiben, führen durch Passstückuntersuchung zur Identifizierung des Unfallverursachers.
Durch Wegschleifen unkenntlich gemachte Prägekennzeichnungen werden mit speziellen Verfahren rekonstruiert.
Individuelle Spuren, die Schusswaffen auf Geschossen und Hülsen erzeugen, ermöglichen es den Spezialisten des Dezernates Schusswaffen und Schusswaffenspuren die Tatwaffe zu ermitteln und so zur Aufklärung von Verbrechen beizutragen. Die Tätigkeit umfasst hierbei auch waffenrechtliche Beurteilungen von Hieb- und Stoßwaffen, verbotenen Gegenständen bis hin zu tragbaren Kriegswaffen, die im Rahmen von Strafverfahren eine entsprechende Bewertung erfahren.
zum Organigramm des LKA
| Herausgeber | Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, Abteilung 3 | |
| Aktualisierungsdatum | 13.02.2007 |


