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Massives Auftreten mit dem Enkeltrick / gedruckt am 24.05.2013

Warnmeldung Ihrer Polizei - Trickdiebstahl und -betrug in der Wohnung
Öffnen der Hautür
Seit vergangener Woche treten vermehrt Täter aus dem polnischen Raum mit der Enkeltrickmasche auf. Der Trick ist hierbei immer der Gleiche. Eine Männerstimme meldet sich bei den potentiellen Opfern, meldet sich als Neffe und gibt vor Geld für den Erwerb einer Immobile zu benötigen.

Vor allem in großstädtischen Ballungsräumen trauen sich viele - zumal ältere - Leute aus Angst vor Gewalttaten kaum noch auf die Straße, obwohl ihr Opferrisiko gerade dort relativ gering ist. Sie werden insgesamt häufiger in ihren Wohnungen bestohlen oder betrogen als auf der Straße überfallen.

Erstes Ziel aller Trickdiebe und -betrüger an der Haus- oder Wohnungstür: Sie wollen eingelassen werden, damit sie mit dem Opfer allein sind. So brauchen sie keine Zeugen und keine Hilfe für das Opfer zu befürchten.
Vortäuschung einer Notlage mit Appell an die Hilfsbereitschaft, Vortäuschung einer Befugnis zum Betreten der Wohnung oder Vortäuschung einer persönlichen Beziehung - das sind die im Grunde einzigen Vorwände, die schauspielerisch begabte Tricktäter in ständig neuen Varianten verwenden.

Tipps
  • Keine Fremden in die Wohnung lassen
  • Besucher vor dem Öffnen der Tür ansehen (Türspion, Blick aus dem Fenster), Türsprechanlage benutzen
  • Tür immer nur mit vorgelegtem Sperrbügel öffnen
  • Bei unbekannten Besuchern Nachbarn hinzuziehen oder Besucher zu späterem Termin bestellen, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist
  • Gegen zudringliche Besucher notfalls auch energisch wehren (laute Ansprache, Hilferuf)

Vorgetäuschte Notlage

Notlagen werden überwiegend von Nichtdeutschen vorgetäuscht, die in die Wohnung gelangen und dort stehlen wollen, beispielsweise

  • Glas-Wasser-Trick: Frauen täuschen Übelkeit, Schwangerschaft oder Arzneimitteleinnahme vor, fragen nach einem Glas Wasser
  • Papier-und-Bleistift-Trick: Täter wollen für angeblich nicht angetroffenen Nachbarn Nachricht hinterlassen, fragen nach Schreibzeug und Papier, drängen auf Schreibgelegenheit in der Wohnung, bitten Opfer, Nachricht zu schreiben
  • Blumen- oder Geschenkabgabe-Trick: Täter wollen für angeblich nicht angetroffenen Nachbarn Blumen oder Geschenk abgeben, drängen darauf, Blumen zu versorgen, Geschenk zu verwahren oder Nachricht zu schreiben
     

Andere vorgetäuschte Notlagen sind beispielsweise die Bitte um Telefonbenutzung wegen Autopanne, Unfall oder Erkrankung, die Bitte um Toilettenbenutzung, die Bitte, ein Baby wickeln oder füttern zu dürfen, ...

Tipps
  • Bei angeblicher Notlage von Fremden an der Tür (Schreibzeug, Glas Wasser) überlegen:
    Woher sollte Nachbar die Besucher wirklich kennen? Warum wenden sich Besucher in Not nicht an Apotheke, Gaststätte, Geschäft, ...?
  • Bei angeblicher Notlage anbieten, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte (Schreibzeug, Glas Wasser) hinauszureichen - dabei Tür gesperrt lassen
  • Nichts für Nachbarn ohne deren Ankündigung oder Auftrag entgegennehmen

Vorgetäuschte amtliche Eigenschaft

Die Vortäuschung amtlicher Eigenschaft oder einer sonstigen Befugnis ist eher Arbeitsweise deutscher Täter. Sie kommen beispielsweise angeblich von den Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerken, von der Hausverwaltung, von der Kirche, von der Krankenkasse, von der Rentenversicherung, von der Polizei, von der Post, vom Sozialamt, ...

Tipps
  • Von Amtspersonen Dienstausweis fordern und sorgfältig prüfen (Druck? Foto? Stempel?)
  • Im Zweifel vor Einlass bei der Behörde anrufen - Telefonnummer selbst heraussuchen
  • Nur Handwerker einlassen, die selbst bestellt oder von der Hausverwaltung angekündigt wurden

Vorgetäuschte persönliche Beziehung - "Enkeltrick" und "Blenderware"

Die Vortäuschung einer persönlichen Beziehung ist die Arbeitsweise von "Grußbestellschwindlern", die angeblich Grüße von entfernten Verwandten, ehemaligen Kollegen oder Nachbarn bestellen, oder von "falschen Unglücksboten", welche die Nachricht über die angebliche Notlage oder den Unfall eines Angehörigen überbringen.

Mit dem so genannten "Enkeltrick" verbinden Täter beide Elemente, indem sie ältere Menschen anrufen und sich als Verwandte - meist eben als Enkel - in einer finanziellen Notlage ausgeben, die gerade ein Auto oder einen anderen teuren Wertgegenstand günstig kaufen könnten oder schon gekauft hätten. Bei der Bitte, kurzfristig mit Bargeld auszuhelfen, geht es um mehrere hunderte oder tausende Euro. Der angebliche Verwandte ist bei einer Zusage stets verhindert, das Geld selbst abzuholen: Der Täter, ein Komplize oder eine Komplizin treten dann als entsandte Vertrauensperson auf, die sich mit einem vereinbarten Kennwort identifiziert und das Geld entgegennimmt.

Auch betrügerische Anbieter so genannter "Blenderware" (scheinbar wertvolle Lederbekleidung, Bestecke, Uhren, Schmuckstücke und dergleichen, tatsächlich billiger Plunder) - meist Nichtdeutsche - täuschen oft eine persönliche Beziehung vor, indem sie ältere Menschen auf der Straße ansprechen und sich etwa als ehemalige Kollegen ausgeben. Ein Stück der Blenderware wird häufig als Geschenk, weitere Stücke aber "zum sehr günstigen Preis" zum Kauf angeboten, weil der Anbieter vorgeblich in einer Notlage ist (Autoreparatur, drohende Zollzahlung,...). Selbst der "günstigste Preis" ist regelmäßig zehnfach überteuert!

Tipps
  • Bei Anrufen angeblicher Verwandter ("Enkel") in finanzieller Notlage unter deren bekannter üblicher - nicht der vom Anrufer angegebenen - Telefon- oder Handynummer zurückrufen und Sachverhalt zu klären versuchen
  • Bei so nicht zu klärendem Sachverhalt sofort Polizei informieren und weiteres Vorgehen absprechen
  • Fremden, die als "Vertrauensperson" angeblicher Verwandter kommen, niemals Bargeld aushändigen
  • Von Fremden niemals aus Gefälligkeit angeblich teure Sachen ("Blenderware"!) kaufen
  • Anzeige auch erstatten, wenn man schon auf den "Enkeltrick" oder auf "Blenderware" hereingefallen ist

Weitere polizeiliche Präventionshinweise erhalten Sie unter www.polizei-beratung.de oder jeder in Ihrer Nähe gelegenen Polizeidienststelle.


Autor Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Zentrale Geschäftsstelle Stuttgart
Herausgeber Koordinierungsstelle Intrapol
Aktualisierungsdatum 21.06.2012