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Handschriften

Unterschriften: einfache (oben, geringe Nachahmungsschwierigkeit) und komplexe (unten, hohe Fälschungsresistenz) © Polizei RLP

Die Handschrift des Menschen spielt auch im digitalen Zeitalter noch immer eine bedeutende Rolle. Vor allem Unterschriften sind im Geschäftsverkehr wegen der rechtsverbindlichen Bedeutung nach wie vor unverzichtbar. Hier sollte eine möglichst fälschungssichere Zeichnungsweise mit ausgeschriebenem Vor- und Zunamen angestrebt werden.

Als personenbezogenes Merkmal mit individueller Ausprägung hat die Handschrift schon früh das Interesse der Kriminalisten geweckt. Wegen ihrer Unverwechselbarkeit kann sie als Spur erkennungsdienstlich ausgewertet und identifiziert werden.

Gegenstand forensischer Schriftgutachten ist die Prüfung handschriftlicher Erzeugnisse auf deren Urheberschaft bzw. Echtheit und/oder die Gewinnung sonstiger beweiserheblicher Erkenntnisse. Dies spielt bei der Beweisführung in Fällen von Betrug, Urkundenfälschung, Bedrohung, Erpressung oder Beleidigung häufig eine zentrale Rolle.

Die forensische Schriftuntersuchung wird nicht selten mit Graphologie gleichgesetzt. Beide Disziplinen verfolgen jedoch völlig unterschiedliche Intentionen. So beschäftigt sich Graphologie mit der Deutung von Schriftmerkmalen auf den Charakter einer Person, während Schriftvergleichung die Identifizierung anonymer, pseudonymer oder bestrittener Schreibleistungen zum Ziel hat.

Passspuren

Kein Riss oder Bruch verläuft genau wie der andere!

Jeder Vorgang wird durch unterschiedlich zusammenwirkende Kräfte (z.B. Zug-, Biege-, Scherkräfte) sowie durch die Werkstoffeigenschaften des beschädigten Materials beeinflusst. Die dadurch entstehenden Trennverläufe sind zufällig. Nur bei Stücken, die zuvor ein Ganzes waren, passen die gegensätzlich geformten Trennflächen wie Teile eines Puzzles aneinander.

Bei einer Verkehrsunfallflucht bleiben oft Glassplitter oder abgebrochene Fahrzeugteile zurück. Wird das verdächtige Fahrzeug mit entsprechenden Beschädigungen gefunden, ist zu beweisen, dass die Splitter vom Unfallort von genau diesem Fahrzeug stammen.

Auch abgebrochene Teile von Werkzeugen, Schrauben oder Schließzylindern können so einander zugeordnet werden.

Schuhspuren und Handschuhspuren

Jede Schuhsohle erhält während ihres "Lebens" durch eine Vielzahl unterschiedlich zusammenwirkender Faktoren individuelle Merkmale.

Allein schon weil die Oberflächen, auf denen man läuft, unterschiedlich beschaffen sind (Kies, Beton, Sand, Splitt) wird eine Sohle ständig anderen Beanspruchungen ausgesetzt. Großen Einfluss haben auch die Tragezeit und die Bewegungseigenarten des Benutzers. Im Sohlenmaterial entstehen dabei zufällig verteilte Kerben, Risse, Materialausbrüche und andere Veränderungen, die bei keiner anderen Sohle in genau derselben Form und Anordnung vorhanden sind.

Wenn sich solche Individualstrukturen einer Sohle in einer Schuhspur abbilden, steht zweifelsfrei fest, dass diese Spur von genau diesem Schuh, und nicht etwa einem anderen mit demselben Profilmuster und derselben Größe, verursacht worden ist. Auch Handschuhe können charakteristische Merkmale wie z.B. unterschiedlich verlaufende Nähte, Falten und Beschädigungen haben.

Begutachtung von Urkunden

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Bei der Begutachtung in- und ausländischer amtlicher Dokumente (z. B. Reisepässe, Identitätskarten, Führerscheine) steht meist die Frage im Vordergrund, ob die Urkunden echt, verfälscht oder totalgefälscht sind.

Darüber hinaus werden Urkunden allgemeiner Art (Verträge, Testamente etc.)  auf mögliche Manipulationen wie nachträgliche Veränderungen, Einfügungen, Montagen und Tilgungen hin untersucht.

Mit dem Stereomikroskop werden bei variablen Beleuchtungsarten und Vergrößerungen druck- und sicherungstechnische Merkmale überprüft sowie nach Manipulationsspuren gesucht.

Die Infrarot-Spektroskopie ermöglicht den Nachweis von Textergänzungen in Kopien und Ausdrucken. Das Spektrum der zum Einsatz kommenden Untersuchungsverfahren ist breit gefächert und stark vom Einzelfall abhängig.

IR-Spektrum mit zwei unterschiedlichen Tonern © Polizei RLP

Beim Verfeuern aus einer Schusswaffe bleiben Spuren auf Munitionsteilen (Hülsen, Geschosse) zurück, über welche sich die Waffe identifizieren lässt. Eine sichergestellte Waffe kann damit einer unaufgeklärten Straftat bzw. Tatmunitionsteilen zugeordnet werden. Für entsprechende Untersuchungen stehen u.a. moderne lichttechnische Vergleichsmikroskope zur Verfügung.

Die nebenstehende Abbildung stellt Spuren eines Tatgeschosses und eines Vergleichsgeschosses gegenüber. Die Spuren des Vergleichsgeschosses stammen von einer Verdachtswaffe.

Vergleichsmakroskop © Polizei RLP

Wenn sich diese individuellen Strukturen in einer Werkzeugspur abbilden, kann das Werkzeug als Spurenverursacher identifiziert werden. Für die Untersuchung werden optische Geräte wie z.B. ein Vergleichsmakroskop benutzt, mit dem die am Tatort gesicherten Spuren und die vom sichergestellten Werkzeug angefertigten Vergleichsspuren einander gegenübergestellt werden.